Duke vor einem Spiegel

Die ersten funktionierenden Spiegel fielen mir damals in Duke Nukem 3D auf. Auf öffentlichen Toiletten, in Strip Clubs und vielen anderen Orten konnte man damals das Gesicht seines Protagonisten sehen, wie ein Irrer herumhüpfen und -treten und sich an den Reflektionen erfreuen. Im Kontext der damaligen First-Person-Spiele war das etwas äußerst Ungewöhnliches. Schließlich verschmolz man dank der neuen 3D-Technik erstmals mit seiner Spielfigur und war nur durch die Abbildung der Waffe in der Spielwelt vertreten. Das zunehmend lädierter aussehende Antlitz von B.J. Blazkowicz oder dem Doom Space Marine am unteren Rand des Bildschirms diente eher als Visualisierung der Lebensenergie – wirkliche Persönlichkeiten waren diese Figuren nicht.

Ganz anders der Duke! Nicht nur in den Zwischensequenzen trat er prominent in Erscheinung, auch im Spiel konnte man an jeder Ecke seinen Kommentaren und markigen Sprüchen lauschen. Drückte man vor einem Spiegel stehend die Space-Taste, sagte er voller Bescheidenheit: “Damn! I’m looking good!” Diese Präsenz des Hauptcharakters ist einer der Faktoren, deretwegen ich Duke Nukem 3D als weit wichtigeren Wegbereiter für die meisten modernen Actionspiele sehe als z.B. Wolfenstein oder Doom. Ein weiterer Grund dafür ist, dass hier die Level-Architektur schon sehr viel mehr in der Realität verwurzelt war als bei den genannten FPS-Urvätern. Nazi-Katakomben und Mars-Stationen glichen in ihrem Aufbau oft mehr abstrakten Pac-Man-Labyrinthen in 3D als echten, sinnvoll aufgebauten Umgebungen. Duke Nukem jedoch kämpfte sich durch Kinos, Spielhallen, Baseballstadien, Museen, Supermärkte… kurz, eine alltägliche Umgebung. Und dazu gehörten eben auch Spiegel.

Als ich mich mit der enthaltenen Build-Engine dann ans Erstellen eigener Level machte, konnte ich auf einmal hinter das Geheimnis der Spiegel blicken. Die Definition einer Wand als Spiegel machte nichts anderes, als die Sprites der Gegner, Items und des Duke auch auf der anderen Seite darzustellen und durch eine unsichtbare Barriere zu verhindern, dass man in den Spiegelraum gelangen konnte. Was hinter den Spiegeln lag, waren hier in der Tat gespiegelte Kopien der jeweiligen Räume, so wie man sich das als kleines Kind vorgestellt hat.

von Arne am 1. September 2010 um 15:44  Keine Kommentare
 
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