Layton Filmabend

Wir waren dazu eingeladen den ersten Professor Layton Film (Professor Layton und die ewige Diva) Dienstag im Kino anzusehen, und das neuste Spiel der Serie (Professor Layton und die verlorene Zeit) anzuspielen. Das Event fand in der Arthouse Theater-Center in Köln statt, von uns aus nur ein paar Haltestellen entfernt. Da ich selbst von der Serie begeistert bin, habe ich mich gefreut an diesem Event teilzunehmen, und habe Sven praktisch angefleht, mich mitzunehmen. Zum Glück hat er zugestimmt, denn Nintendo hat ein sehr stimmigen Kino/-Spieleabend zusammengestellt. Der Kinosaal war gemütlich, und das Popcorn Kostenlos ;-) Wir hatten auch von einem Kollegen mitbekommen, dass Level 5 auch ein Crossover mit Professor Layton und Phoenix Wright entwickelt, etwas was einen das Herz höher schlagen lässt. Es wird wohl auf dem 3DS rauskommen und wird sicherlich für Fans beider Serien genial. Leider hat man nichts vom Spiel während des Events gesagt, was auch nicht zu erwarten war.

Nach der Vorführung waren wir dazu eingeladen in dem Restaurant des Kinos eine Kleinigkeit zu essen. Da hat Nintendo auch auf jeden Tisch ein oder zwei DSi XLs hingestellt mit dem aktuellsten Spiel der Serie “Professor Layton und die verlorene Zeit”, das genau wie der Film am 22. Oktober veröffentlicht wird. Da ich von einem Gespräch abgelenkt war, habe ich ziemlich viel Zeit gebraucht, das erste Rätsel zu lösen. Sven hat mich jedes mal zum Glück daran erinnert das ich falsch lag, bis ich es gelöst habe. Dennoch fand ich das Spiel toll und wir waren uns einig, das so ein Spiel mit vielen Rätsel absolut perfekt für den DS ist. Es war auch eine Gelegenheit für uns über der Film selbst zu sprechen. Eine Nintendo Mitarbeiterin hat sich auch zu uns gesetzt und nach unserer Meinung gefragt. Da waren wir aber alle eher geteilter Meinung. Wir haben aber auch mit ihr über andere Dinge gesprochen wie die Geschichte von Nintendo, und die Darstellung von Frauen in Videospielen. An sich ein gelungener Abend von Nintendo.

Den Film fand ich persönlich sehr süß, aber es war kein großes Kino wie man das in Europa gewohnt ist. Für Fans der Serie ist es ein Muss. Es sind sehr viele kleine Details enthalten, die man dann wiedererkennt, und die Umsetzung der Rätsel in den Film ist ziemlich gut gelungen. Da freut man sich auch, der Professor in Action zu sehen und es macht wirklich Lust die Spiele zu spielen. Sven hat mir nach meiner “professionellen” Meinung (d.h. meine Meinung als angehende Japanologe) gefragt. Da ist mir als Antwort nur eingefallen, dass der Film ein gewisses Bild von Europa zeigt, die man quasi mit “japanischen Augen” sieht, Sven fragte mich, ob ich auch hier darauf eingehen könnte. ;-)

In Japan ist der Film auch in den Kinos erschienen. Da hat er den 6. Platz für sein Eröffnungswochenende (19.-20. Dezember 2009) erreicht, eigentlich ein ziemlich respektabler Platz, da es mit ein One Piece (der beliebteste Manga Serie Japans) Film und verschiedene andere viel größere westliche und japanische Filme konkurrieren musste. Die Beliebtheit dieser Serie darf man nicht unterschätzen. Darüber hinaus, da es für ein japanisches Publikum gemacht worden ist, kann man gut sehen, wie das allgemeine Europabild Japans aussieht.

Die Spielwelt (und Filmwelt) findet in einer Art sauberem Steampunk England statt. Die Gebäuden und Strukturen sind alt, und auch die neuen haben das Gefühl des “Alten” mit dabei. Man wundert sich, wie Autos aus den 1930er und riesen Roboter nebeneinander funktionieren, aber man akzeptiert es, weil alles ästhetisch zusammenpasst. Man versucht dabei den Spielfilm modern zu gestalten, ohne dieses Gefühl für Europa zu verlieren. In einer Szene hat Professor Layton sogar selbst und spontan ein Hubschrauber aus einem Fass gebaut, das alleine ist ein Paradebeispiel dafür.

Am Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts gab es eine große “Modernisierungsbewegung” in Japan. Da hat man gerne in der Politik, Kunst usw. westliche Kleidung, Stil und Technologie angenommen um “fortschrittlich” zu erscheinen. In wie weit Japan “nicht-fortschrittlich” war, lässt sich streiten. Wichtig ist nur, wie man sich wahrgenommen hat. Nun wird Europa als sehr wissenschaftlich wahrgenommen, jedoch auch traditionell. Man braucht nur nach München zu fahren und nachzusehen welche Schilder auf japanisch stehen um dies zu erkennen. Es kennen vielleicht mehr Japaner die “romantische Straße” als Deutsche.

Layton selbst finde ich auch interessant. Er ist Professor, daher sehr intelligent, und löst gerne Rätsel und Geheimnisse. Dazu ist er ruhig, nachdenklich, logisch und absolut genial ein echter “englischer Gentleman”. Wenn man bedenkt, dass einer der bekanntesten und ikonischsten Engländers in der Literatur Sherlock Holmes ist, kann man sich auch fragen, ob da eine Verbindung besteht. Nun ja, auf eine gewisse Ebene sind die Charaktere sehr unterschiedlich (Sherlock Holmes war an sich kein Gentleman und kein Professor, und dazu ein bisschen asozial) aber da sieht man zumindest den Exoten des Geheimnis lösenden Engländers.

Die Geschichte des Films dreht sich auch (zumindest zum Teil) um eine Opernsängerin. Diejenigen die sich mit Oper auskennen, werden die Musik, die sie singt, nicht als solche erkennen. Eigentlich hat es eher Musical-Qualitäten. Das hängt wohl weniger damit zusammen, dass es ein japanischer Film ist, sondern eher damit, dass es ein Familienfilm ist. Mit “echten” Opern hätte man auch sehr viele Zuschauer abgeschreckt. Lob kann ich dem Film aber aussprechen, da diese “Diva” kein dickes Mädchen ist, das Hörner tragt, sondern ein Charakter mit schmaler Figur in Optik des Films. Darüber hinaus wird Oper nicht als etwas Altes dargestellt, sondern als etwas Aktuelles. Dies könnte auch mit dem Bild zusammen hängen, dass “Modern” und “Tradition” noch harmonisch sind, aber über dies kann man sich auch streiten.

Man soll diese Betrachtung aber nicht zu ernst nehmen. Immerhin ist die Layton Serie eine tolle Abwechslung unter den Spielen die in den letzen Jahren ausgekommen sind. Es ist wahrscheinlich einer der Besten neuen Serien der letzten paar Jahre. Erst bei näherer Betrachtung sieht man, dass ein gewisses Bild dargestellt wird, aber dies darf man nicht negativ betrachten. Das ist immerhin ein Fantasy-Europa, die noch voll mit Wunder ist, eine Welt worin man sich gerne verliert. Ich glaube dies war eher das Ziel der Entwickler, und nicht irgendein “Europabild” darzustellen. Man lies sich lediglich von England und London inspirieren, sie glauben wahrscheinlich nicht, dass England wirklich so ist. Eigentlich scheinen die beschriebene Bilder nur sehr wenig durch, im Vergleich zu unserem Japan-Bild ist das schon lobenswert.

Alles, was ich gerade geschrieben habe, soll man aber kritisch betrachten. Das ist immerhin meine eigene Meinung dazu, und soll nicht als absolute Wahrheit betrachtet werden. Kommentare und Kritik ist auch sehr willkommen, denn ein amerikanischer Gentleman gibt zu, wenn er falsch liegt.

von am 20. Oktober 2010 um 23:59  Ein Kommentar
 
Kommentare

Es war auf jedenfall ein sehr lustiger und geselliger Abend in gemütlicher Runde! :)

von Sven am 21. Oktober 2010 um 00:02

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