Zuerst vorweg, ich bin von der gamescom (und seinem Vorgänger der Leipziger Games Convention) absolut begeistert. Zugegebenermaßen bin ich letztes Jahr zum ersten Mal dabei gewesen, und alles was davor kam kenne ich nur vom Hörensagen, aber mein Eindruck davon ist positiv. Sehr gerne lese ich auch zu gamescom-Zeit Artikel aus anderen Ländern. Ich bin selbst kein Deutscher, und interessiere mich sehr dafür, was internationale Gamer von dem Land halten, das ich zur Heimat gemacht habe. Hier ein paar Beispiele: eine sehr bekannte amerikanische Webseite, die ich regelmäßig lese, Kotaku sagt, “von allen Spielemessen auf der Welt, wäre gamescom ihr Favorit“. Und auch in Japan ist von Famitsu zumindest Teilweise die Begeisterung der deutschen Fangemeinschaft aufgefallen. Der Gründ dafür ist simpel: gamescom ist, im Vergleich zu anderen Videospielmessen wie E3 oder Tokyo Game Show, in vielen Hinsichten sehr bodenständig. E3 ist bekanntlich nur für die Industrie und Fachbesucher zugänglich, und daher kann die Allgemeinheit, also die Fans, nichts vor Ort erleben. Dies hat seine Vorteile und Nachteile, denn E3 war immer nur als Fachmesse gedacht. Wie gamescom ist Tokyo Game Show auch für die Öffentlichkeit zugänglich, allerdings nur für 2 Tage während der Messe, und die ist so riesig, dass man selten alles miterleben kann. Auch in diesem Vergleich kenne ich die zwei Messen aber nur vom Hörensagen, also konnte ich mich auch da irren. Gamescom dagegen, ist ein Event für Gamer. Es gibt ein Lager, ein Festival und alles drum und dran. Darüber hinaus ist der Großteil der Messe für die Gamer, die nicht in der Industrie als Presse oder Aussteller arbeiten, zugänglich. Wie dem auch sei ist die stetige Kommerzialisierung nicht zu übersehen, aber ich hoffe in Zukunft behält die gamescom seinen Charm.
Nun zum Thema.
Ich bin erst am Samstag zur Messe gegangen. Obwohl ich direkt in Köln wohne, konnte ich wegen der Arbeit erst an dem Tag hinfahren, als die meisten Leute da waren. Da ich nicht als Presse da war musst ich wie alle normal Sterblichen in Schlangen warten um Spiele anzusehen. Ich habe den Morgen auf der Messe mit meiner Mutter verbracht. Ihretwegen bin ich heute überhaupt Gamer, und ihre Begeisterung für Spiele ist mit anderen Leuten in ihrer Altersgruppe nicht zu vergleichen. Sie ist was man in den USA “Old Skool” nennen könnte. Gemeinsam standen wir in Schlangen, und da ist es mir aufgefallen: ich bin alt.
Nun ein paar Schritte zurück. Beim Nintendo Stand hatte man die Gelegenheit ein DSi auszuleihen, zu probieren, und dafür ein T-Shirt zu erhalten. Das haben wir gemacht und dann haben wir uns in der Schlange für Metroid: Other M angestellt. Die Konsolen waren ein guter Weg die Zeit totzuschlagen, da man fürs Probespielen ziemlich lange anstehen musste. Als Spiel hat sie New Super Mario Bros. ausgeliehen. Bei dem Spiel gibt es ganz am Anfang einen Untergrund-Level, die World 1-2 von dem Original Super Mario Bros. ähnelt. Ich habe sie dabei beobachtet, wie sie dieses Level spielte und mir ist aufgefallen, wie sie versuchte genau wie beim Original ganz oben auf den Level zu kommen. Sie hat sich erhofft, irgendetwas dabei zu finden. Obwohl sie seit Jahren das Original nicht gespielt hat, wusste sie was sie machen musste, wie ein Urinstinkt.
Es ist mir aber noch etwas aufgefallen: sie war die Älteste in der Schlange. Sie war die Einzigste über 30 Jahren, die Metroid spielen wollte. Das sie auch noch dazu eine Frau ist, machte sie zu einer großen Seltenheit auf der Messe.
Später in der Schlange für Kinect, hatten wir das Privileg hinter der Pubertätspatrolle zu stehen. Wir durften uns darüber freuen zu sehen wie eine Gruppe Jugendliche zwischen 12 und 18 (wenn ich nach den Bändchen beurteilen kann) versucht haben sich gegenseitig in den Genitalien zu treten. Noch dazu dürften wir Weisheiten wie “Fabel, das ist wie ‘Fail’” und “du bist ein Schwuchtel” anhören. Ich habe mich kurz gefragt, ob ich je so Jung gewesen bin, und bin auf ‘nein’ gekommen. Dann habe ich tiefer darüber nachgedacht, und mir ist aufgefallen, wie alt ich erst für diese vorkommen muss, und ich bin erst 25.
Da habe ich gewartet, und das einzigste was ich gemacht habe, war mich über die “Jugend von Heute” zu meckern. Da kam ich mir ziemlich alt vor. Ich glaube je älter ich werde, desto mehr ‘verstehe’ ich manche Spiele. Nicht alle Spiele können mich so begeistern, wie sie mich als 14- oder 15-jähriger begeistert haben. Dafür aber kann ich manche Spiele heute besser verstehen als früher. Shadow of the Colossus hätte ich damals nicht verstehen können, Portal wohl auch nicht. Und wer Ayn Rand ist, und was sie mit BioShock zu tun hatte, wäre mir nie aufgefallen, hätte mich auch damals nicht interessiert. Ich glaube das zeigt auch, dass die Industrie teilweise mit uns aufwächst, denn die Entwickler sind sehr näher an meiner Generation, verstehen auch ihre eigenen Bedürfnisse, und integrieren sie ins Spiel.
Nach einer Studie der ESA (Entertainment Software Association) ist der Durchschnittsalter eines Gamers in den USA 35 Jahre. Die Statistik für Deutschland kenne ich aber nicht. Bei der gamescom kam es mir vor, als wäre es um die 16.
Ich erinnere mich daran wie ein Mann, der in Camouflage rumgelaufen ist, zu einer Kamera-Crew sagte, er spiele nur PC, weil Konsolen “für Kleinkinder” seien. Dieser Aussage kann ich nicht zustimmen. Vielleicht weil ich es eher “erwachsen” finde auch von “kindischen” Sachen Spaß zu haben. Welcher Erwachsene bekommt nur Genuß von Kriegssimulationen? So was kommt mir eher kindisch vor. Das wir unter uns solche Unterteilungen zwischen “Kinder” und “Erwachsene” Spiele machen (ganz von dieser ollen Konsolen vs. PC Geschichte) kann uns nur schaden, denn wir brauchen als Gamerkultur einen gewissen Zusammenhalt.
Für Aussenseiter sind wir entweder Kinder, oder Erwachsene, die sich aber wie Kinder verhalten. Dass es mittlerweile Spiele gibt, die keiner unter 18 Spielen soll oder darf, stört dabei keiner. Wenn man so eine Veranstaltung besucht, bestätigt es scheinbar solche Vorurteile. Wir wissen alle, das es nicht stimmt, aber dagegen können wir leider wenig unternehmen. Darum, glaube ich, müssen wir uns Mühe geben zu zeigen, dass es mehr zum spielen gibt als nur das Spiel an sich.
Sonst glauben alle, wir wären doch alle 16.
