Case Mod von gamescom Foto c/o Kotaku.com

Bei der gamescom gab es einen Wettbewerb für PC Case Modding. Case Modding ist einfach der Umbau der Hülle eines Desktop-PCs. Ein Bild davon kann man direkt oben sehen. Zuerst fällt einem vielleicht auf, wie scheinbar erregt unsere blau gekleidete Verführerin ist. Darüber hinaus, wenn sie echt wäre, hätte sie auch furchtbare Rückenschmerzen. Eigentlich muss ich den Modder loben: Sein Mod ist ihm gelungen und es hat sehr viel Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Was mich aber dabei stört, ist die Sexualisierung der Frau. An sich bin ich nicht prüde, aber es wäre nett, wenn es zumindest männlichen Ausgleich gäbe. Wo ist der blau gekleidete Mann mit überdefinierten Muskeln und einem riesigen Ding? Das hätte ich gern gesehen.

Gamer-Frauen und schwule Gamer haben irgendwie die Arschkarte gezogen. Überall rennen Messe-Babes rum, um das männliche Publikum anzulocken, aber man sieht kaum oder wenig Messe-Dudes. Ich rede auch nicht über die Repräsentanten der einzelnen Firmen, die dabei stehen und einem erklären, wie ein Spiel funktioniert. Davon gab es reichlich welche, und einige davon waren ziemlich süß ;-) . Ich rede hier eigentlich davon, dass Männer auch sexuelle Objekte sein können und dass es auch ein Publikum dafür gibt. Bei der gamescom habe ich einen gesehen, der so was Ähnliches gemacht hat; und zwar bei Nintendo für Dragon Quest IX. Aber im Vergleich zu seiner Kollegin war er schon sehr konservativ gekleidet. Vielleicht gab es andere, die ich nicht gesehen haben. Das kann ich nicht einschätzen, jedoch ist eins klar: Man geht davon aus, dass das Zielpublikum männlich und heterosexuell ist. Sonst müsste man nicht andauernd halbnackte Frauen anschauen.

Nun ist dies vielleicht genau so eine Beleidigung für die “Heten” als auch für die Frauen und schwulen Männer. Man geht davon aus, dass alle Männer auch pubertierende Jugendliche sind. Zugegebenermaßen habe ich auch einige T-Shirts mit “FBI: Female Body Inspector” und ähnliche Sprüche gesehen, aber so sind nicht alle, oder?

Ich habe schon mal in einem früheren Artikel eine Studie der ESA erwähnt. In dieser Studie steht nämlich auch, dass 40% der Gamer Frauen sind. Das ist eine ziemlich große Zahl. Wie viele der Frauen und Männer schwul oder lesbisch sind, ist nicht angegeben. Bei der gamescom selbst kam mir der Mann-Frau-Anteil 100:1 vor. Das spiegelt auf gar keinen Fall die Realität wieder. Wie viele davon schwul oder lesbisch waren, kann ich nicht einschätzen. Man fragt auch keine Fremden in der Öffentlichkeit, was ihre sexuelle Neigung sei.

Da kann man dann die Einzelfirmen nicht dafür bestrafen, dass mehr Messe-Babes als Messe-Dudes angeheuert werden. Sie kennen ihr Publikum; und wenn die Mehrheit der Anwesenden (angeblich) heterosexuelle Männer sind, dann will man auch dieses Publikum ansprechen. Das ist einfach gutes Geschäft.

Ich weiß nicht, inwieweit in Deutschland die Frage von Geschlecht, ob biologisch oder gesellschaftlich, unter Gamern und in Spielen vorkommt. In den USA gibt es ein paar Webseiten, die sich darauf spezialisiert haben. Als Einstieg könnte ich da gaygamer.net empfehlen, auch wenn sie nur sehr selten reine GLBT-Themen behandeln. Es gab auch vor ein Paar Jahren eine Studie dazu, allerdings sind die Ergebnisse nicht mehr online zugänglich.

Schwule sind eine “unsichtbare” Minderheit in der Branche. Eigentlich kenne ich neben mir selbst Unmengen von schwulen Gamern, aber leider herrscht teilweise unter der allgemeinen Fan-Gemeinschaft eine gewisse Homophobie. Ich konnte kaum 10 Minuten durch der gamescom laufen, ohne zu hören, wie irgendwelche Leute “Schwuchtel” oder “schwul” als Beleidigung benutzt haben. Letztes Jahr habe ich zwei Männer gesehen, die Händchen gehalten haben. Leider habe ich auch die Gesichtsausdrücke gesehen und blöde Töne von anderen mitbekommen, die es auch gesehen haben. Für mich als schwulen Gamer ist es nicht einfach, so was mit anzusehen.

Vielleicht ist diese Homophobie auch ein Grund dafür, dass es so wenig Messe-Dudes gibt. Immerhin definiert sich Homophobie durch eine unterbewusste Angst, selbst schwul zu sein.

Obgleich die Entwickler immer wieder schwul-lesbische Inhalte in Spielen wie The Sims, Bully (In Deutschland: Canis Canem Edit) und Fable einbauen, kann es die Meinung mancher Gamer nicht ändern. Für jeden Jade von Beyond Good and Evil haben wir ein DOA: Extreme Beach Volleyball. Die Industrie kennt eben ihr Publikum.

Für Lesben ist es noch schlimmer. Ich glaube kaum, dass die Möglichkeit, in Mass Effect lesbische Sex zu haben, darauf gerichtet war, schwul-lesbische Inhalte einzubringen. Das ist eher wie ‘Porno-Lesben’, die nur da sind, um gewisse Männer zu erregen.

Vielleicht wäre es besser zu sagen, dass das Publikum eher die Gesellschaft widerspiegelt. Wir wohnen eben in einer von heterosexuellen Männer dominierten Welt und, obgleich innerhalb der Industrie Homophobie eine Seltenheit ist, sehen sich die Entwickler dazu gezwungen, sich der Allgemeinheit zu beugen.

Bildquellen: Kotaku Link Link

von am 25. August 2010 um 22:16  Keine Kommentare
 
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